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Weißrussland

Weißrussland

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Weißrussland (weißrussisch Беларусь, Belarus) – im deutschen Sprachraum und amtlich auch als Belarus bekannt – ist ein Staat in Osteuropa, der zwischen Polen, der Ukraine, Russland, Lettland und Litauen liegt. Früher wurde das Land auch Weißruthenien und im DDR-Sprachgebrauch Belorussland genannt.

Name

Der Name Belarus ist seit dem Mittelalter überliefert und wurde im 19. Jahrhundert allgemein üblich, ist aber mit „Weiße Rus“ ungenau übersetzt. Rus war der ostslawische Name für skandinavisch-slawische Herrschaftsgebiete wie das der Kiewer Rus, zu dem das Land von der Gründung an gehörte. „Bely“ bedeutete im Mittelalter im geografischen Sinne "westlich" oder "nördlich", Belarus demnach „Westliche Rus“. Daneben gibt es in Weißrussland auch Ansichten über andere mögliche Bedeutungen (siehe die beiden englischen Artikel zu Belarus und White Russia). Die Verwendung des Wortes Belarus bietet sich also an, um Unklarheiten zu vermeiden. Jedoch ist im Deutschen die Bezeichnung Weißrussland traditionell verbreitet. Die belarussischen offiziellen Stellen wie auch die deutsche Diplomatie bevorzugen auch in deutschsprachigen Texten den Namen Belarus, um die Unterscheidung von Russland zu verdeutlichen.

Geografie

Die maximale Erstreckung des Landes vom Westen nach Osten beträgt 650 km – von Nord nach Süd sind es 560 km. Unter den europäischen Staaten ist Belarus flächenmäßig damit an 13. Stelle. Die Staatsgrenzen zu Russland und Ukraine machen je etwa 1000 km und insgesamt zwei Drittel aus, während auf Polen, Litauen und Lettland das letzte Drittel entfällt. Der Grenzverlauf ist unregelmäßig und folgt nur nach Polen teilweise den Gewässern, vornehmlich aber über Sumpf- und Hügelland. Die Entfernung von der Hauptstadt Minsk bis zu den Hauptstädten der Nachbarstaaten beträgt:
- nach Vilnius: 215 km
- nach Riga: 470 km
- nach Warschau: 550 km
- nach Kiew: 580 km
- nach Moskau: 700 km Belarus liegt in der Osteuropäischen Ebene (Palessje) und wird von Hügelketten der eiszeitlichen Endmoränen (Weißrussischer Höhenrücken) und breiten, naturbelassenen Flüssen durchzogen. Etwa 70 % des Landes entwässern nach Süden zum Prypjat und zum Dnjepr, der weiter durch die Ukraine ins Schwarze Meer fließt. Im Süden liegen die Palesje-Sümpfe (russisch: Polesje). 30 % des Landes sind bewaldet. In den Wäldern leben Hirsche, Rehe, Elche, Bären, Wölfe, Hermeline, Dachse, Füchse und Eichhörnchen. Die höchste Erhebung ist die Dsjarschynskaja Hara (345 m) im Weißrussischen Höhenrücken, die tiefsten Flussniederungen liegen etwa 50 Meter über dem Meer. Die größten Flüsse von Belarus sind Dnjepr (belarussisch Dnjapro), Beresina (belarussisch Bjaresina), Prypjat (belarussisch Prypjaz) und Memel (weißrussisch Njoman). Größter See ist der Naratsch im Norden des Landes, nahe der Grenze zu Litauen. Belarus besitzt ein ausgeprägtes kontinentales Klima mit kalten, schneereichen Wintern und trockenen Sommern. Die (zentral gelegene) Hauptstadt Minsk gilt als "Schlechtwetterstadt" mit häufigem Niederschlag.

Bevölkerung

Die Bevölkerung nahm seit 1975 von 9,2 auf 10,35 Millionen zu. Trotz der Einwanderung vieler Russen und der Deportation zehntausender Belarussen unter Stalin ist der Anteil der Belarussen in der Bevölkerung 78 %. Die größte Minderheit sind die Russen mit 12 %, gefolgt von 2,9 % Ukrainern, 1,7 % Deutschen, 1,2 % Letten, 1 % Juden, 0,9 % Sinti und Roma (vorwiegend Jerli), 0,6 % Litauer, 0,3 % Polen, 0,5 % Slowaken, 0,4 % Selonen, 0,2 % Moldawier, 0,1 % Jenische und 0,2 % Ruthenen. Die größte Konfessionsgruppe in Belarus ist das orthodoxe Christentum, dem ca. 87 % der Bevölkerung angehören - vor allem Belarussen, Ukrainer, Moldawier und Russen. Ferner Gruppen orthodoxer Ruthenen, die aus den Karpaten wegen Auseinandersetzungen mit Katholiken hierher kamen. Die restlichen 20 % der Bevölkerung verteilen sich auf mehrere Konfessionen: Römisch-katholisch sind die meisten Polen und Litauer, sowie die Belarussen im Westen und Norden des Landes. Insgesamt umfasst die katholische Kirche etwa 7 % der Bevölkerung [http://www.catholic-hierarchy.org/country/scby1.html]. Die Letten und Jerli (auch Sinti, Lowara, Manusch, Roma und Calderasch) bekennen sich vorwiegend zur evangelisch-lutherischen Kirche, ebenso eine slowakische Minderheit, deren Vorfahren nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Belarus flohen. Insgesamt sind 2,6 % der Menschen evangelisch-lutherisch. Die meisten Deutschen sind evangelisch-reformiert und die Selonen hauptsächlich Waldenser. Das Bevölkerungswachstum beträgt zur Zeit etwa -0,15 %. Die Lebenserwartung in der Bevölkerung liegt bei 68,14 Jahren, bei Männern 62,06 Jahre und bei Frauen 74,52 Jahre. Die Alphabetisierungsrate ist mit 98 % nahezu europäischer Standard.

Größte Städte

(Einwohner 1. Januar 2004)

- Minsk - 1.741.372
- Homel - 481.197
- Mahiljou - 365.102
- Wizebsk - 342.381
- Hrodna - 314.833
- Brest - 298.329
- Babruisk - 220.823
- Baranawitschi - 168.553
- Baryssau - 150.375
- Pinsk - 130.517
- Worscha - 125.276
- Masyr - 111.770
- Salyhorsk - 101.394
- Nawapolazk - 101.304
- Maladzetschna - 98.384
- Lida - 98.231

- Polazk - 82.769
- Schlobin - 72.791
- Swetlahorsk - 71.661
- Retschiza - 66.213
- Sluzk - 62.278
- Schodzina - 60.836
- Slonim - 51.586
- Kobryn - 50.751
- Waukawysk - 46.839
- Kalinkawitschi - 37.876
- Smarhon - 36.738
- Rahatschou - 34.727
- Asipowitschi - 34.685
- Horki - 33.974
- Nawahradak - 30.803
Siehe: Liste der Städte in Weißrussland

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Weißrusslands Das Gebiet der heutigen Republik Belarus gehörte im frühen Mittelalter zur Kiewer Rus. Nach und nach wurde das Gebiet jedoch vom Großfürstentum Litauen erobert. Dessen Herrscher führte den Titel magnus dux Littwanie, Samathie et Rusie (siehe auch Goldenes Zeitalter (Weißrussland)). Die beiden Völker nennen sich selber in ihren Sprachen Litauer (lietuvis bzw. litwin). Aufgrund der Bevölkerungsanteile war in dieser Zeit die Amtssprache weitgehend belarussisch. Nach der Union von 1386 wurde Belarus als Teil Litauens Bestandteil des Doppelstaates Polen-Litauen, bei dem es bis zum Ende des 18. Jahrhundert verblieb. Mit der ersten und zweiten Polnischen Teilung gelangte das Gebiet des heutigen Belarus bis 1795 vollständig unter russische Herrschaft. Nach dem Einmarsch des deutschen Heeres in Minsk Anfang 1918 bestand zeitweise eine nominell unabhängige belarussische Republik. In den Jahren 1919/1920 war Belarus zwischen dem wiederentstandenen polnischen Staat und Sowjetrussland umkämpft und wurde 1920 nach dem Sieg der polnischen Truppen über die Rote Armee teilweise an Polen angegliedert. Aus dem sowjetischen Teil wurde die Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik gebildet, die 1922 Gründungsmitglied der Sowjetunion wurde. Ebenso wie der sowjetische Teil war auch der polnische Teil mehrheitlich weißrussisch besiedelt. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde 1939 der zuvor zu Polen gehörende Landsteil von sowjetischen Truppen besetzt und in die Belarussische SSR eingegliedert. Im Sommer 1941 wurde ganz Belarus von der Deutschen Wehrmacht erobert. Die deutsche Besatzungsherrschaft richtete große materielle Zerstörungen an und führte zum Tod von ca. 25 % der Bevölkerung, darunter fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Belarus. Belarus war von 1941 an mit über 1000 Gruppen ein Hauptgebiet des sowjetischen Partisanenkampfes gegen die deutschen Besatzer. Von Ende 1943 an wurde das Land von der Roten Armee zurückerobert und galt im Sommer 1944 vollständig von der deutschen Besatzung befreit. 1945 war Belarus Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Etwa 8 bis 9 % aller umgebrachten europäischen Juden stammten aus Belarus. Fast alle Städte des Landes waren völlig zerstört. Die Industriebetriebe waren um 85 %, die Industriekapazität um 95 %, die Staatsfläche um 40 bis 50 %, der Viehbestand um 80 % zurückgegangen. Es gab nach Kriegsende 3 Millionen Obdachlose. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Belarus 10 Millionen Menschen. Erst gegen Ende der 1980er Jahre war die belarussische Bevölkerung wieder auf diese Vorkriegszahlen gewachsen. Stark betroffen war Belarus durch die Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 im ukrainischen Tschornobyl, in dessen Folge weite Teile des Landes durch radioaktiven Fallout verstrahlt wurden. Seit Ende 1991 ist das Land ein eigenständiger Staat. 1991 bis 1994 wurde es von Stanislau Schuschkewitsch regiert. Seither führt Aljaksandr Lukaschenko die Regierungsgeschäfte autoritär. Lukaschenko trieb durch seine antidemokratischen Tendenzen und die Ablehnung der westlichen Wirtschaftsweise das Land in die internationale Isolation. Zu den wenigen Partnern des Landes gehören heute neben Russland andere, vor allem zentralasiatische GUS-Republiken, aber auch der Iran. Versuche einer "Unionsbildung" mit Russland sind allerdings trotz offizieller Ankündigung bisher kaum wirksam geworden.

Politik

Der erste Staatschef von Belarus nach der Auflösung der Sowjetunion war Stanislau Schuschkewitsch (1991-1994). Jetzt ist Aljaksandr Lukaschenka Staatsoberhaupt. Belarus ist Mitglied im Rat für kollektive Sicherheit und bildet mit Russland die Russisch-Belarussische Union, welche von einigen Kritikern als "kaum funktionierend und halb-illegal" bezeichnet wird. Eine Stationierung von NATO-Truppen in den Nachbarländern Litauen und Lettland lehnt Lukaschenka ab. Er sieht darin ein Bedrohung für sein Land und kündigt "im Fall eines Angriffs der NATO" Konsequenzen an. Lukaschenka dürfte laut der früheren belarussischen Verfassung eigentlich nicht mehr an der Präsidentschaftwahl 2006 teilnehmen, doch per Referendum ließ er im Oktober 2004 die Verfassung so ändern, dass für ihn keine Beschränkungen der Amtszeiten mehr gelten. Seine Gegner werfen ihm Wahlbetrug vor. Das Vertretungs- und Gesetzgebungsorgan der Republik Belarus ist das Parlament - die Nationalversammlung. Es setzt sich aus zwei Kammern, der Repräsentantenkammer und dem Rat der Republik zusammen. Die Repräsentantenkammer besteht aus 110 Abgeordneten, die in allgemeiner, freier, gleicher, direkter und geheimer Wahl gewählt werden sollen. Der Rat der Republik ist die Kammer der territorialbezogenen Vertretung. Für jede Woblast und die Stadt Minsk werden je acht Abgeordnete des Rats der Republik in geheimer Abstimmung gewählt. Acht Mitglieder werden vom Präsidenten berufen.

Verwaltungsgliederung

Belarus gliedert sich in sechs Verwaltungsbezirke (Woblaste) mit 118 Kreisen. Die Hauptstadt Minsk hat einen Sonderstatus und gehört keinem der Woblaste an. Minsk ist Hauptstadt und gleichzeitig Gebiets- und Kreisstadt und hier leben 1.729.000 Einwohner. Die Fläche der Stadt beträgt 255,8 km² und gliedert sich in 9 Stadtbezirke. Dem Stadtrat sind die Dorfsiedlungen und eine städtische Siedlung untergeordnet. Der Woblast Brest hat eine Landesfläche von 15,7 % und 14,7 % der Bevölkerung des Landes leben hier. Es gliedert sich in 16 Kreise, 225 Dorfsowjets, 20 Städte (davon 5 Städte der Gebietsunterordnung), 9 städtische Siedlungen. Zentrum des Gebiets stellt die Stadt Brest mit ca. 300.000 Einwohnern dar. Der Woblast Homel nimmt 19,5 % der Länderfläche ein und 16,4 % der Bevölkerung leben hier. Homel ist in 21 Kreise, 278 Dorfsowjets, 17 Städte, davon 8 Städte der Gebietsunterordnung, 18 städtische Siedlungen gegliedert. Die Stadt Gomel stellt das Gebietszentrum mit 515.000 Einwohnern dar. Der Woblast Hrodna nimmt 12 % der Landesfläche ein und die Stadt Grodno bildet mit 309.000 Einwohnern das Gebietszentrum. Hrodna gliedert sich in 17 Kreise, 194 Dorfsowjets, 12 Städte. Der Woblast Mahiljou nimmt 14 % der Landesfläche ein. Hier leben 12,2 % der Bevölkerung des Landes und die Stadt Mogiljow bildet das Gebietszentrum. Zum Gebiet gehören 21 Kreise, 195 Dorfsowjets, 13 Städte, darunter 5 Städte der Gebietsunterordnung und 12 städtische Siedlungen. Der Woblast Minsk liegt im Zentrum Belarus' und bildet als einziger keine Grenze zu anderen Staaten. Er nimmt 19,4 % der Landesfläche ein, und 15,3 % der Gesamtbevölkerung des Landes leben hier. Zum Gebiet gehören 22 Kreise, 307 Dorfsowjets, 22 Städte, darunter 8 Städte der Gebietsunterordnung und 20 städtische Siedlungen. Die Landesfläche des Woblast Wizebsk beträgt 19,3 %. 13,8 % der Bevölkerung der Republik leben in diesem Woblast. Das Gebiet gliedert sich in 21 Kreise, 249 Dorfsowjets, 19 Städte (davon 5 Städte der Gebietsunterordnung) und 26 städtische Siedlungen. Das Zentrum bildet die Stadt Witebsk mit 367.000 Einwohnern.

Infrastruktur

Belarus ist zwar aufgrund seiner Lage ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und Russland - 50 % des russischen Erdöls und 25 % des Erdgases fließen über belarussische Trassen. Wegen der politischen Verhältnisse weicht man jedoch zunehmend über Nordeuropa oder die Ukraine aus. Für Russland ist Belarus (zusammen mit Litauen) das Haupttransitland zu seiner Exklave, der Oblast Kaliningrad. Die Hauptverkehrsachse von (Westeuropa-Warschau-) Brest über Baranawitschi-Minsk-Baryssau nach Worscha (-Moskau) verläuft von Südwest nach Nordost quer durch das Land. Sie besteht aus einer von der staatlichen belarussischen Eisenbahn Belaruskaja Tschyhunka betriebenen elektrifizierten Eisenbahnlinie mit parallel verlaufender autobahnartig ausgebauter Fernstraße. Rund um Minsk besteht ein Schnellstraßenring mit Ausläufern nach Litauen/Hrodna und nach Babruisk-Homel im Südosten des Landes. Außerdem sind noch Polazk über Wizebsk und Orscha sowie Mahileu über Babruisk an Minsk angeschlossen. Im Osten des Landes durchquert in Nord-Süd-Richtung der Dnepr Belarus. Bei Minsk befindet sich ein internationaler, und ein nationaler Flughafen, daneben bestehen verschiedene Regionalflughäfen.

Wirtschaft

Die belarussische Wirtschaft wurde bisher nicht in eine Marktwirtschaft umgewandelt, da die zentrale Lenkungswirtschaft immer noch von der Regierung bevorzugt wird. Dadurch kam es bisher zu keinem derartigen wirtschaftlichen Zusammenbruch wie in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und das Land ist (auf niedrigem Niveau) wirtschaftlich stabil. Das Land ist weitgehend von Rohstofflieferungen aus Russland abhängig. Industrie und Landwirtschaft befinden sich in Staatshand. Belarus zählt somit zu den wenigen bestehenden staatskapitalistischen (kommunistischen) Volkswirtschaften. Die immer noch kollektive Landwirtschaft beschäftigt einen großen Teil der Erwerbstätigen (Kartoffelanbau, Viehzucht). Wichtige Industriezweige sind v. a. die Textilindustrie und die Holzverarbeitung. Seit 1965 wurde der Maschinenbau (Traktoren, Kühlschränke) verstärkt ausgebaut. Innerhalb der Sowjetunion war Belarus eine der industriell entwickeltsten Teilrepubliken. Wirtschaftlich engagiert sich Belarus in der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die seit 1990 mit der Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen sinkende Produktion konnte ab 1994 wieder gesteigert werden, so dass bis 1999 die Industrieproduktion und landwirtschaftliche Produktion wieder auf den Stand von 1990 erhöht werden konnte und seitdem weiterhin steigt. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2000 rund 11,2 Milliarden Euro, was pro Kopf ungefähr 1.117 Euro ergibt. Im Jahr 2003 betrug der BIP-Zuwachs 12,1 %, im ersten Quartal 2004 sogar 9,3 %. Die Inflationsrate lag im Jahr 2002 bei ca. 42 %, im Jahr 2003 waren es immer noch 27 %. Zudem hat Belarus laut UNO den höchsten Lebensstandard unter allen GUS-Staaten, das durchschnittliche Einkommen wuchs von 18 Euro auf 163 Euro innerhalb der vergangenen 10 Jahre. Belarus ist mit Russland durch die Russisch-Belarussische Union verbunden. Die Arbeitlosigkeit liegt gegenwärtig (2005) bei 2 %.

Kultur

Bildungswesen

Die Universitäten und Hochschulen sind großteils in der Hauptstadt:
- Belarussische Staatliche Universität, Minsk
- Belarussische Staatliche Polytechnische Akademie, Minsk
- Belarussische Staatliche Universität für Ökonomie, Minsk
- Nationale Akademie der Wissenschaften, Minsk
- Staatliche Universität für Medizin, Minsk
- Staatliche Universität für Agrarwissenschaft, Minsk. Ausbildung und medizinische Betreuung sind für alle Einwohner des Landes kostenlos. Einige tausend junge Belarussen studieren jedoch in Deutschland und eine etwas größere Zahl in Russland oder anderen Ländern des Westens. Mit den erstgenannten drei Hochschulen hat der [http://www.internation-hilfsfonds.org/projekte/unikoop.htm Internationale Hilfsfonds] von EU und Deutschland Partnerschaften in den Westen eröffnet. Die oft beklagte Isolation war für Belarus schon zu Zeiten der Sowjetunion schmerzhaft. Seit der Unabhängigkeit des Landes wuchs die Hoffnung der Universitäten auf Kooperationen, was aber wegen der autoritären Staatspolitik kaum gelang. Die 1992 gegründete einzige Privatuniversität, die "Europäische Humanistische Universität" wurde im August 2004 auf staatlichen Druck geschlossen. Sie hatte, größtenteils aus westlichen Mitteln finanziert, Europastudien, Sprach- und Politikwissenschaften angeboten. Auch das Institut für Deutschlandstudien befand sich dort. Die Hochschule wurde im Juni 2005 im Exil in Vilnius (Litauen) wiedereröffnet.

Sonstiges


- Sommerzeit: vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober, GMT plus eine Stunde
- Maße und Gewichte: metrisches System
- Netzspannung: 220 Volt
- Die Gleise der Eisenbahn sind ab der Grenze Polen/Belarus breiter, was zu einem mehrstündigen Aufenthalt in Brest führt, da die Waggons ein anderes Fahrgestell untergeschoben bekommen
- Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben sich in Deutschland viele private Hilfsorganisationen gegründet, welche den Kindern aus den vom radioaktiven Fallout betroffenen Gebieten Erholungsaufenthalte bieten. Dadurch wird das Immunsystem der Kinder gestärkt und die Völkerverständigung gefördert. Vom Staat Belarus und von der Deutschen Botschaft werden diese Erholungsaufenthalte unterstützt.
- Zwischen Russland und Weissrussland gibt es einen Vertrag der kollektiven Sicherheit und eine gemeinsame Luftabwehr.
- Deutsche Botschaft: Uliza Sacharowa 26, 220034 Minsk / Tel:(+375-17)217-59-00 / Fax: (+375-17) 236-85-52 / Öffnungszeiten: montags-freitags 9.00-12.00 Uhr Da man die Bevölkerung vor dem "schädlichen" Einfluss des Westens schützen möchte, werden Ausreisemöglichkeiten vor allem für jüngere Leute immer mehr erschwert (z. B. Erholungsaufenthalte für Kinder aus radioaktiv belasteten Regionen, Studentenaustausch) - ein Beitrag zur Isolation des Landes, allerdings war die Ausreise der "Tschernobylkinder" problemlos möglich.

Weitere Themen


- Portal:Weißrussland, Portal:Osteuropa
- Integration Weißrussland-Russland

Literatur


- [http://www.osw.waw.pl/files/report_bielarus_d.pdf Ośrodek Studiów Wschodnich, OSW; Centre for Eastern Studies, Warschau: Belarus - der Unbekannte Nachbar der Europäischen Union - Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage Weißrusslands, September 2005]
- Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch der Geschichte Weißrußlands, Göttingen, 2001 ISBN 3-525-36255-2
- Holtbrügge, Dirk: Weißrussland, München 2002: C.H. Beck
- Scheer, Evelyn: Weißrussland entdecken, Berlin 2002: Trescher Verlag
- [http://www.ibb-d.de/belarus.html Belarus-News], Vierteljährlicher Informationsdienst, 1998-heute, Hrsg.: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund.

Spezialisierte Literatur


- Abramova, Olga: Integration zwischen Realität und Simulation. Die belarussisch-russländischen Beziehungen seit 1991, Untersuchungen des Forschungsschwerpunktes Konflikt- und Kooperationsstrukturen in Osteuropa an der Universität Mannheim (FKKS) 19, Mannheim, 1998
- Buch, Claudia M.: Währungsreformen im Vergleich: monetäre Strategien in Russland, Weißrussland, Estland und der Ukraine, Kieler Studien 270, Tübingen, 1995
- Bugrova, Irina; Naumova, Svetlana: Parliamentary elections and foreign policy orientations of Belarus, in: Vector – Belarusian Journal of International Politics, 1/1, S. 2-7, 1996
- Förster, Heinrich Linus:
Von der Diktatur zur Demokratie - und zurück? Eine Auseinandersetzung mit der Problematik der Systemtransformation am Beispiel der ehemaligen Sowjetrepublik Belarussland., Hamburg, 1998
- Lindner, Rainer:
Historiker und Herrschaft.Nationsbildung und Geschichtspolitik in Weißrussland im 19. und 20. Jahrhundert, Ordnungssysteme 5, München, 1999
- Lindner, Rainer:
Präsidialdiktatur in Weißrussland: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft unter Lukaschenko, in: Osteuropa 47/10-11, S.1038-1052, 1997
- Sahm, Astrid:
Schleichender Staatsstreich in Belarus. Hintergründe und Konsequenzen des Verfassungsreferendums im November 1996, in: Osteuropa, 47/9, 1997, S. 475-487
- Scharff, Roland:
Belarus zwischen Europa und Russland, Osnabrück, 2001
- Schneider, Eberhard:
Der erste Mann Weißrusslands: Stanislau Schuschkewitsch, in: Osteuropa, 43/12, 1993, S.1147-1151
- Zaprudnik, Jan:
Historical dictionary of Belarus, London, 1998

Weblinks


- [http://zuender.zeit.de/2005/36/politik/lukaschenko Artikel des ZEIT-Jugendportals "Zuender" über Präsident Lukaschenko]
- [http://www.osteuropa-netzwerk.de/belarus/index.htm Linksammlungen zu Belarus des Osteuropa-Netzwerks]
- http://www.belarusnews.de/index.php
- [http://www.germanembassy.org.by/de/home/index.html Deutsche Botschaft Minsk]
- [http://www.pravapis.org/art_weissrussland.asp Weißrussland, Belarus oder Weißruthenien?]
- [http://www.belarus-botschaft.de Weißrussische Botschaft in Deutschland]
- [http://www.uni-graz.at/geowww/geo/geoweb_magazin_artikel_detail.php?recordID=41 Geographische Notizen zu Weißrussland / Bjelarus] erschienen im geoWEB Magazin - Institut für Geographie und Raumforschung, Graz
- http://www.osteuropa-infoseite.de/belarus.htm
! Kategorie:Staat Kategorie:Osteuropa fiu-vro:Valgõvinne ja:ベラルーシ ko:벨라루스 ms:Belarus simple:Belarus th:ประเทศเบลารุส zh-min-nan:Belarus

Weißrussische Sprache

Das Weißrussische (neuere Bezeichnung Belarussisch, veraltet Weißruthenisch) wird von ca. 7,9 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Von diesen lebt eine Minderheit in Polen bei Białystok, die Mehrheit jedoch in Weißrussland, wo es eine der beiden Amtssprachen ist (die andere ist das Russische).

Geschichte

Das Weißrussische ist zusammen mit dem Russischen und dem Ukrainischen eine der drei ostslawischen Sprachen, die sich im Mittelalter aus einer gemeinsamen Vorgängersprache entwickelt haben. Diese wird oft als "Altrussisch" bezeichnet, was aber irreführend ist, weil es eine Priorität des Russischen suggeriert - vorzuziehen ist der Ausdruck "Altostslawisch". Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich am Hof des litauischen Großfürsten in Wilna eine eigene Kanzleisprache, die von der moskowitischen abwich. Mit der Ausdehnung des Großfürstentums auf den gesamten Westen der ehemaligen Kiewer Rus nahm sie sowohl weißrussische als auch ukrainische Elemente auf. Vor allem aber stand sie unter sehr starkem Einfluss des Polnischen. (Ausführlicher hierzu siehe Ruthenisch.) Nach der Zerschlagung des polnisch-litauischen Staates (1695) kam diese Schriftsprache immer mehr außer Gebrauch. Zwar entstanden schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten literarischen Werke in einer neuen weißrussischen Schriftsprache, die sich auf die nordöstlichen Dialekte des Weißrussischen stützte (als erstes gilt eine zwischen 1812 und 1830 entstandene anonyme Übersetzung der Aeneis, "Eneida navyvarat" ["Aeneis umgedreht"]). Aber erst nach der Revolution von 1905 konnten legal Bücher und Zeitungen gedruckt werden. Von 1903-1911 erschien in Warschau das wichtige Werk "Die Weißrussen. Die Sprache des weißrussischen Volkes" ("Belorussy. Jazyk belorusskowo naroda") von Jauchim Karski, in dem die Schriftsprache kodifiziert wurde. Eine wichtige Rolle spielt in dieser Zeit ferner die ab 1906 erscheinende Zeitschrift "Nascha niwa" ("Unsere Flur"). 1917 scheiterte der erste Versuch, einen eigenen weißrussischen Staat zu gründen, danach lebten die meisten Weißrussen in der Sowjetrepublik Weißrussland, ein kleinerer Teil in Polen. In der Sowjetunion konnte sich das Weißrussische bis Ende der zwanziger Jahre frei entfalten, danach geriet es wieder unter deutlichen Druck des Russischen. 1933 wurde durch eine Orthografiereform die Annäherung an das Russische erzwungen, auch Wortschatz und Grammatik standen seitdem unter russischen Einfluss. Das gleiche Schicksal ereilte das Weißrussische in den polnischen Gebieten, die 1939 an die Sowjetunion angeschlossen wurden. Erst unter der Perestroika kam es zu einer Wiederbelebung der weißrussischen Schriftsprache, die im Januar 1990 zur Staatssprache der Sowjetrepublik Weißrussland erklärt wurde. Es gab nun auch Bestrebungen, die 1933 abgeschaffte traditionelle Orthografie (bekannt unter dem Namen тарашкевіца/Taraschkjewiza) wiedereinzuführen, seit dieser Zeit konkurrieren faktisch zwei Systeme, nämlich die Taraschkjewiza (von Emigranten und aktiven Weißrussischsprechern bevorzugt) und die sowjetische Narkomauka (наркомаўка, bis heute immer noch offizieller Standard). Der gegenwärtige Stand ist der, dass die weißrussische Schriftsprache nur von einer kleinen intellektuellen Schicht in den Städten gesprochen wird. Auf dem Land sind weißrussische Dialekte verbreitet, der größte Teil der Stadtbevölkerung spricht eine Übergangsform zwischen dem Weißrussischen und dem Russischen, die abwertend als "Trasjanka" ("Viehfutter") bezeichnet wird. Im Bildungssystem ist das Weißrussische nur schwach verankert, im Sommer 2003 wurde gegen starken Widerstand der Schüler und Lehrer das einzige Gymnasium mit weißrussischer Unterrichtssprache geschlossen. Nach Einführung des Weißrussischen als einziger Amtssprache mit der Unabhängigkeit erfolgte einen kurze Blüte, "Wiedergeburt" (weißrussisch: Adradschenne) genannt, die aber durch die Einführung des Russischen als weiterer Amtssprache durch Präsident Lukaschenka im Jahre 1994/95 wieder endete. Die Zukunftsprognose ist eher düster, viele Weißrussen befürchten, dass ein völliges Aufgehen des Weißrussischen im Russischen fast nicht mehr zu verhindern ist. Zudem hat sich mit einer Bewegung, die das Westpolessische zu einer eigenen Sprache ausbauen will, eine weitere Zersplitterung ergeben.

Schrift und Orthografie

Die heutige weißrussische Schriftsprache wird mit kyrillischer Schrift geschrieben, vgl. die folgende Tabelle: Das Buchstabeninventar entspricht etwa dem des Russischen bzw. des Ukrainischen. Typisch weißrussisch ist der Buchstabe ў, der nur in dieser Sprache vorkommt, ferner ist die Schreibung des ë obligatorisch (anders als im Russischen). Dem Weißrussischen fehlen die russischen Buchstaben щ und ъ (dafür hat es zusätzlich das і). Im Vergleich mit dem Ukrainischen fehlen ihm die Buchstaben ї und є (dafür hat es zusätzlich ы, э und ë). Die Rechtschreibung des Weißrussischen ist streng phonetisch, d.h. sie richtet sich weitgehend nach der Aussprache. Dies bedeutet auch, dass das unbetonte o nicht nur (wie im Russischen) als a gesprochen, sondern auch geschrieben wird. Durch die phonetische Rechtschreibung entsteht ein deutlicher Unterschied des Schriftbilds zum Russischen und Ukrainischen. Vgl. etwa weißrussisch вада "Wasser" gegenüber russisch вода, die Wörter werden gleich gesprochen, aber unterschiedlich geschrieben. Die Buchstabenverbindungen дж und дз werden manchmal als eigene Einheiten behandelt, da sie auch nur einen Laut bezeichnen. In diesen Fällen folgen sie im Alphabet als eigene Buchstaben nach д. Ein Problem der weißrussischen Orthografie besteht darin, dass sowohl der Laut h wie auch der Laut g durch den Buchstaben г wiedergegeben werden. Bis 1933 wurde für g ein eigener Buchstabe ґ verwendet (wie im Ukrainischen), seine Wiedereinführung wird erwogen. Die Schreibung des Weißrussischen in Lateinschrift (Lacinka) orientiert sich an der polnischen Orthografie, weist aber auch Sonderzeichen mit Diakritika (š, č usw.) auf und verwendet (anders als das Polnische) den Buchstaben v statt w. Charakteristisch auch für sie eine phonetische Schreibung ("Wasser" heißt dann also vada).

Grammatik

Die Grammatik des Weißrussischen unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer slawischer Sprachen. Im Einzelnen kann folgendes gesagt werden:
- Die Substantive weisen drei Genera auf (Maskulina, Feminina, Neutra), die sich wiederum in belebte und unbelebte aufteilen. Es gibt sechs Kasus und zwei Numeri, Singular und Plural. Auffällig ist, dass die Deklination der Substantive stärker ausgeglichen ist als etwa im Russischen oder im Tschechischen, was dadurch zu erklären ist, dass die weißrussische Standardsprache im 19. Jahrhundert aus der Volkssprache hervorgegangen ist und keine direkte Kontinuität zum Altweißrussischen besteht.
- Die Adjektive haben die aus anderen slawischen Sprachen bekannten prädikativen Formen (sog. Kurzformen) eingebüßt.
- Das Verbum weist vier Tempora auf, neben Präsens, Präteritum und Futur auch das in slawischen Sprachen seltene Plusquamperfekt, außerdem die für die slawischen Sprachen charakteristische Kategorie des Aspekts. Das System der Partizipien und Adverbialpartizipien ist weniger entwickelt als in anderen slawischen Sprachen.

Wortschatz

Der Wortschatz des Weißrussischen setzt sich aus verschiedenen Schichten zusammen. Neben dem slawischen Erbwortschatz und einiger Einflüsse des Kirchenslawischen sind vor allem Entlehnungen aus dem Polnischen charakteristisch, die hingegen dem Russischen fehlen. Vgl. etwa weißruss. дзякаваць "danken" gegenüber russisch благодарить und polnisch dziękować. weißrussisch цікавы "interessant" wie polnisch ciekawy usw. In der Zwischenkriegszeit waren weißrussische Linguisten bemüht, statt polnischer (und russischer) Lehnwörter eigene Wörter auf der Grundlage von Dialektwörtern zu bilden, ab 1933 wurde der Fachwortschatz jedoch gezielt russifiziert.

Literatur


- Knauf, Holger: Kauderwelsch, Weißrussisch (Belarus) Wort für Wort. 2001. ISBN 3894165529
- Bieder, Hermann: Das Weißrussische. In: P. Rehder (Hrsg): Einführung in die slavischen Sprachen. Darmstadt 1998, 110-125. ISBN 3534136470
- Hurtig, Claudia: Belarussische Grammatik in Tabellen und Übungen. Hramatyka belaruskai mowy u tablizach i praktykavannjach. München 2003. ISBN 3876908507

Weblinks


- [http://www.pravapis.org Informationsseite über die weißrussische Sprache (englisch)]
- [http://www.belarusguide.com/dictionaries/engblr/index.html Englisch-weißrussische Wörterbücher in Lateinschrift]
- [http://www.lacinka.com/ Informationen über die Verwendung der Lateinschrift für das Weißrussische] Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Slawische Sprache ja:ベラルーシ語


Osteuropa

Die Definition des Begriffes Osteuropa hängt davon ab, in welchem Sinne diese Bezeichnung verwendet wird:
- Im geographischen Sinne umfasst Osteuropa den europäischen Teil Russlands, Weißrussland, die Ukraine, Moldawien und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Allerdings liegt ein großer Teil Osteuropas sehr weit nördlich, Städte wie St. Petersburg ("Venedig des Nordens"), Nowgorod, Riga und Moskau liegen nördlicher als viele skandinavische Städte. Nordwestrussland und das Baltikum wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts meist zu Nordeuropa gerechnet. Am geographisch korrektesten für dieses Gebiet ist der Begriff Nordosteuropa. Die bestimmende Landschaftsform in Osteuropa ist die riesige Osteuropäische Ebene, die sich u.a. bis zum Osteuropa von Asien abtrennenden Ural-Gebirge und Ural-Fluss erstreckt und im Norden an das eisige Nordpolarmeer stößt. Nordpolarmeer
- Im historischen Sinn wird mit Osteuropa der europäische Teil Russlands, Weißrussland, die Ukraine und Moldawien bezeichnet. Oftmals werden auch die kaukasischen Länder Georgien, Armenien und bedingt Aserbaidschan als Teil Osteuropas gesehen. Die osteuropäischen Länder sind historisch und kulturell weitgehend von der orthodoxen Kirche geprägt und standen - im Gegensatz zum osmanisch beherrschten Balkan - unter der Herrschaft des Russischen Reiches. Die Länder Osteuropas hatten wie die südosteuropäischen Länder keinen oder nur beschränkten Anteil an den gesellschaftlichen Entwicklungen der Renaissance, Reformation und Aufklärung.
- Im ethnischen, sprachlichen und kulturellen Sinn bezeichnet Osteuropa den Teil Europas, der von den slawischen Völkern bewohnt wird. Diese vereinfachte Einteilung wird jedoch von manchen kritisiert, da auch der östliche Teil Deutschlands lange Zeit von Slawen besiedelt war (und in Resten heute noch ist, siehe Sorben).
- Im politischen Sinn wurden während des kalten Krieges mit dem Namen Osteuropa die kommunistischen Länder Europas bezeichnet. Dies hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch in Deutschland so eingebürgert, dass noch heute Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn meist als "osteuropäische Länder" bezeichnet werden. Die osteuropäischen und die ostmitteleuropäischen Länder werden häufig gemeinsam betrachtet. Im EU-Jargon lautet die Abkürzung dafür MOEL.

Hinweis

"OSTEUROPA" ist auch der Name einer der führenden Zeitschriften der internationalen Osteuropaforschung. Sie wurde 1925 von dem Politiker und Osteuropa-Experten Otto Hoetzsch in Berlin gegründet und wird auch heute noch dort herausgegeben.

Weblinks


- [http://www.osteuropa-netzwerk.net/index.html Linksammlungen des Osteuropa-Netzwerks zu Osteuropa allgemein]
- [http://www.gesis.org/osteuropa/ GESIS-Servicestelle Osteuropa] - sozialwissenschaftliche Informations- und Datenvermittlung zwischen Ost- und Westeuropa sowie die Förderung von Ost-West-Kooperationen und die Unterstützung der komparativen Forschung
- [http://osteuropa.dgo-online.org/ OSTEUROPA] - Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens
- [http://www.osteuropa-netzwerk.net/ Osteuropa-Netzwerk] - Zahlreiche Quellen im WWW zu Osteuropa
- [http://www.vifaost.de/ ViFaOst] - Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa: das Portal zur Osteuropaforschung
- [http://www.ib.hu-berlin.de/~pbruhn/oeipub00.htm Veröffentlichungen] des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin
- [http://ostrecht.de OstRecht Portal für Rechtsforschungen]
- [http://www.reise-osteuropa.de Reiseführer Osteuropa für Individualtouristen ]

Siehe auch

Europäische Gliederung:
- Europa
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Polen

Die Republik Polen (poln. Rzeczpospolita Polska) ist ein Staat in Mitteleuropa. Polens Grenzen sind 3582 km lang, wobei 467 km auf die Grenze zu Deutschland im Westen, 790 km auf die zu Tschechien und 539 km auf die zu der Slowakei im Süden, 529 auf die zur Ukraine und 416 auf die zu Weißrussland im Osten, 103 km auf die zu Litauen und 210 auf die zur russische Exklave Kaliningrad im Nordosten sowie 528 auf die Ostsee-Küste im Norden entfallen. Flächenmäßig ist Polen der neuntgrößte Staat in Europa. Der Name "Polen" kommt von dem westslawischen Stamm der Polanen, deren Siedlungsgebiet sich im zentralpolnischen Großpolen um Posen und Gnesen befand und die die anderen westslawischen Stämme zwischen Oder und Bug im 10. Jahrhundert unterwarfen und einigten. Den Namen "Polanen" kan man mit "Feldbewohner" übersetzen (pole = Feld). Der latainische Name Terra Poloniae oder Regnum Poloniae wurde seit dem 11. Jahrhundert für das ganze polnische Staatsgebiet verwendet. Das Ursprungsgebiet der Polanen wurde ab dem 14. Jahrhundert als Altpolen und später Großpolen (von lat.: Polonia Maior) bezeichnet, während die südlicheren Landesteile um Krakau Kleinpolen (von lat.: Polonia Minor) genannt wurden. Andere Namen für das Land Polen und die Polen gehen auf den Stamm der Lędzianen zurück, die im Südosten Polens an der mittleren Weichsel siedelten, z.B. Lechia, Lenkija (litauisch), Lechistan (persisch) sowie Lach (russisch), Lengyel (ungarisch).

Geographie

Weichsel Das Gebiet Polens besteht aus fünf geografischen Räumen. Im Nordwesten befindet sich die von der pommerschen bis zur Danziger Bucht reichende Ostseeküste, die durch zahlreiche Nehrungen, Binnengewässer und Dünen gekennzeichnet ist. Die weitgehend gerade verlaufende Küstenlinie wird durch das das Stettiner- und Frische Haff sowie die Pucker Bucht gegliedert. Im Norden und der Mitte schließt sich das von der Eiszeit geformtes Tiefland der mitteleuropäischen Ebene an, das durch seine vier großen Seenplatten (Masurische Seenplatte, Kaschubische Seenplatte, Pommersche Seenplatte und Großpolnische Seenplatte) gekennzeichnet wird, deren Mermal neben den zahlreichen Gewässern vor allem die hügelige Moränenlandschaft ist, vgl. z.B. Kaschubische Schweiz. Südlich daran schließt sich die durch die Urstromtäler der großen Flüsse geprägte Landschaft Schlesiens und Masowiens an. Insbesondere die Lubliner Region an der mittleren Weichsel mit ihren Lößböden ist stark durch die Hohlwege gekennzeichnet. Südlich davon befinden sich die polnischen Mittelgebirge Krakauer-Tschenstochauer Jura, Heiligkreuzberge, Beskiden, Waldkarpaten und Sudeten. Die höchste Erhebung, die Tatra, ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge. Siehe auch: Großpolen, Masowien, Ermland-Masuren, Pommern, Schlesien, Kleinpolen, Podlasien.

Geologie

Podlasien] Die geologische Struktur Polens ist im wesentlichen das Ergebnis einer Plattenkollision der Kontinente Afrika und Europa während der letzten Jahrmillionen und die Vergletscherung aus Skandinavien. Beide Ereignisse formten die Karpaten und die Sudeten. Die Moränenlandschaft Nordpolens weist zumeist Sand- und Lehmböden auf, während die südlicheren Urstromtäler oft Lößböden haben. Der Jura, die Pieninen und die Westliche Tatra betehen aus Kalkstein, während die Hohe Tatra, die Beskiden und das Riesengebirge sich zum großen Teil aus Granit und Basalten zusammensetzten. Das Heiligkreuzgebirge ist eines der ältesten Gebirge der Welt.

Berge

Basalt Polen hat 21 Zweitausender, von denen sich alle in der Tatra befinden. Die Tatra, auf polnischem Gebiet bestehend aus Hoher- und Westlicher Tatra, stellt die höchste Bergkette in Polen und den ganzen Karpaten dar. Der mit 2.499 m höchste Berg Rysy mit seinem hochgelegenen See Morskie Oko liegt in der Hohen Tatra. Der mit 2 m unter N.N. am tiefsten gelegene Punkt befindet sich bei Raczki Elbląskie in der Nähe von Elbląg im Weichseldelta. Die zweithöchste Gebirgkette in Polen sind die Saybuscher Beskiden mit der Babia Gora (1725 m) als höchsten Gipfel. Gefolgten werden sie von dem Riesengebirge, dessen Schneekoppe mit 1602 m die höchste Erhebung der Sudeten darstellt. Zu den schönsten Bergen Polens gehören die Waldkarpaten im äußersten Südosten des Landes, deren höchste in der Polonina die Tarnica mit ca. 1300 m ist. Unter Touristen sind zudem die Niederen Beskiden ca. 1000 m , die Gorce ca. 1300 m, und die Pieniny ca. 1000 m bekannt, die jeweils durch einen Nationalpark geschützt sind. :Kategorie:Gebirge in Polen

Seen

:Kategorie:Gebirge in Polen Polen gehört mit fast 10.000 geschlossenen Gewässern, deren Fläche einen ha überschreitet, zu den seenreichsten Ländern der Welt. In Europa weist nur Finnland mehr Seen pro qm als Polen auf. Die größten Seen mit über 100 km² Fläche sind Sniardwy und Mamry in Masuren sowie Łebsko und Drawsko in Pommern. Neben den Seenplatten im Norden (Masuren, Pommern, Kaschubei, Großpolen) gibt es auch eine hohe Anzahl an Bergseen in der Tatra, von denen das Meeresauge der flächenmäßig größte ist. Der mit über 100 m tiefste See ist der Hancza in der Seenplatte von Wigry östlich von Masuren in der Wojewodschaft Podlachien. Gefolgt wird er von dem Tatra Bergsee "Großer Polnischer See" im "Tal der fünf polnischen Seen". Zu den ersten Seen deren Ufer besiedelt wurden, gehört die Großpolnische Seenplatte. Die Pfahlbausiedlung von Biskupin, die von mehr als 1000 Einwohnern bewohnt wurde, gründeten bereits vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. Menschen aus der Lausitzer Kultur. Die Vorfahren der heutigen Polen, die Polanen, bauten ihre ersten Burgen auf den Seeinseln (pl. "Ostrów"). Der legendäre Fürst Popiel soll im 8. Jahrhundert von Kruszwica am Gopło-See regiert haben. Der erste historisch belegte Herrscher Polens, Herzog Mieszko I., hatte seinen Palast auf der Wartheinsel "Ostrów Tumski" in Posen. :Kategorie:See in Polen

Flüsse

:Kategorie:See in Polen ]] Die längsten Flüsse sind die Weichsel mit 1047 km, der Grenzfluss Oder mit 854 km, die Warta mit 808 km und der Bug mit 772 km. Die Weichsel und die Oder münden genauso wie zahlreiche kleiner Flüsse in Pommern in die Ostsee. Die Liebe und die Wegorapa fließen über die Pregel und die Czarna Hancza über die Memel in die Ostsee. Daneben entwässern einige kleinere Flüsse, wie die Izer in den Sudeten über die Elbe in die Nordsee. Die Orawa aus den Beskiden fließt über die Waag und die Donau genauso wie einige kleiner Flüsse aus den Waldkarpaten über den Dnister ins Schwarze Meer. Die polnischen Flüsse wurden schon sehr früh zur Schifffart genutzt. Bereits die Wikinger befuhren mit ihren Drachenbooten während ihrer Raubzüge durch Europa die Weichsel und die Oder. Im Mittelalter und der Neuzeit als Polen-Litauen die Kornkammer Europas waren, gewann die Verschiffung von Agrarprodukten auf der Weichsel Richtung Danzig und weiter nach Westeuropa eine sehr große Bedeutung, wovon noch viele Renaissance- und Barockspeicher in den Städten entlang des Flusses zeugen. :Kategorie:Fluss in Polen

Küste

:Kategorie:Fluss in Polen] Die polnische Ostseeküste ist 528 km lang und erstreckt sich von Swinemünde auf den Inseln Usedom und Wollin im Westen bis zu Krynica Morska auf der Frischen Nehrung (auch Weichsel Nehrung genannt) im Osten. Die polnische Küste ist zum großen Teil eine sandige Ausgleichsküste die durch die stetige Bewegung des Sandes aufgrund der Strömung und des Windes von West nach Ost charakterisiert wird. Dadurch bilden sich viele Kliffe, Dühnen und Nehrungen, die nach dem Auftreffen auf Land viele Binnengewässer schaffen, wie z.B das Jezioro Łebsko im Slowinzischen Nationalpark bei Łeba. Die bekanntesten Nehrungen sind die Hela und die Frische Nehrung. Die größte polnische Ostseeinsel ist Wolin. Die größten Hafenstädte sind Gdingen, Danzig, Stettin und Swinemünde. Die bekanntesten Ostseebäder sind Zoppot, Misdroy,Kolberg, Łeba, Habichtsberg und Jurata. Polnische Inseln

Bodennutzung

Polnische Inseln] 28% des Landes sind von Wald bedeckt. Über die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, wobei allerdings die Gesamtfläche der Äcker zurückgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist insbesondere in den Bergen weit verbreitet. Große industrielle Ballungszentren sind das GOP in Oberschlesien, der Ballungsraum um Warschau und Lodsch sowie das Weichseldelta um die Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen. Über 1 % der Fläche Polens - 3.145 km² - werden in 23 Nationalparks geschützt. In dieser Hinsicht nimmt Polen den ersten Platz in Europa ein. Drei weitere sollen in Masuren, im Krakauer-Tschenstochauer Jura und in den Waldkarpaten neugeschaffen werden. Die meisten polnischen Nationalparks befinden sich in den Bergen im Süden. Zudem werden Sumpfgebiete um Flüsse und Seen in Zentralpolen geschützt, sowie Küstengebiete im Norden. Zudem kommen zahlreiche Reservate und Schutzgebiete.

Flora und Fauna

Schutzgebiete] In Polen leben noch Tiere, die in weiten Teilen Europas bereits ausgestorben sind, wie z.B. der Wisent im Urwald von Bialowieza in Podlachien und der Braunbär in Bialowieza, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien. In den Wäldern trifft man auch auf Nieder- und Hochwild (Rotwild, Rehwild und Schwarzwild). Zudem gibt es im Osten Polens auch Urwälder, die nie von Menschen gerodet wurden, wie der zuvor erwähnte Urwald von Bialowieza. Große Waldgebiete gibt es auch in den Bergen, Masuren, Pommern und Niederschlesien. Polen ist auch das wichtigste Brutgebiet der europäischen Zugvögel. Ein Viertel aller Zugvögel die im Sommer nach Europa kommen brütet in Polen, insbesodere in den Seenplatten und den Sumpfgebieten der Biebrza, Narew und Warthe, die jeweils durch einen Nationalpark geschützt werden. In Masuren gibt es Dörfer in denen mehr Störche als Menschen wohnen. Liste der Nationalparks in Polen

Klima

Das Klima ist gemäßigt und wird nach Osten und Südosten immer kontinentaler. bild:Klima_gdynia.png|Klimadiagramm Gdynia bild:Klima_warschau.png|Klimadiagramm Warschau bild:Klima_krakau.png|Klimadiagramm Krakau bild:Klima_zakopane.png|Klimadiagramm Zakopane

Größte Städte

Zakopane] Zakopane] Zakopane] Zakopane] Zakopane] Siehe auch: Liste der Städte in Polen, Liste deutscher Bezeichnungen polnischer Orte :Kategorie:Ort in Polen

Bevölkerung

Polen hat mit 40 Millionen Einwohnern die achtgrößte Bevölkerungszahl in Europa und die sechstgrößte in der Europäischen Union. Polen ist ethnisch betrachtet ein äußerst homogener Staat, was ein Novum in der polnischen Geschichte darstellt: Die Polen stellen mit 99,3 % die Mehrheitsbevölkerung. Die verbleibende Minderheitsbevölkerung in Polen setzt sich nach der Volkszählung von 2002 aus Deutschen (ca. 150.000), Weißrussen (ca. 49.000) und Ukrainern (ca. 30.000) sowie Tataren, Litauern, Roma, Lemken, Russen, Karäern, Slowaken und Tschechen zusammen. Unter den ausländischen Staatsangehörigen stellen Vietnamesen die größte ethnische Gruppe, gefolgt von Griechen und Armeniern.

Religion

Armenier Armenier) ist die größte Kirche in Polen und die fünftgrößte auf der Welt]] Armenier] Die polnischen Stämme waren ursprünglich Heiden und hatten - ähnlich wie die anderen Westslawen - ein polotheistisches Religionssystem, dessen Hauptgott Świętowit war, dessen vierköpfige Statuten zwischen Pommern (z.B. bei Kap Arkona auf Rügen) und der Ukraine (z.B. der Antichrist aus dem Zburz) gefunden wurden. Diese Religion konnte sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert behaupten. Insbesondere im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der teilweise bis ins 19. Jahrhundert überdauerte und in der Romantik u.a. von Adam Mickiewicz in seinem Drama Dziady wieder aufgegriffen wurde. Die polnischen Stämme kamen wahrscheinlich im 9. Jahrhundert über das Großmährische Reich mit dem christlichen Glauben zum ersten mal in Kontakt. Die Wislanen in Kleinpolen wurde zur Zeit der byzantinischen Slawenapostel Kyrill und Method von den Herrschern des Großmährischen Reiches erobert und nach mährischen Chronisten soll bereits zu dieser Zeit das Christentum im slawischen Ritus in der Region um Krakau eingeführt worden sein. Im Jahre 965 heiratete der Herzog von Polen, Mieszko I., eine tschechische Prinzessin christlichen Glaubens und ließ sich im folgenden Jahr im lateinischen Ritus taufen. Damit hatten auch seine Untertanen den neuen Glauben anzunehmen. Polen war jedoch im Mittelalter nie einheitlich in der Religion. Noch bevor sich der christliche Glaube endgültig durchsetzten konnte, wanderten in den nächsten Jahrhunderten, begünstigt durch das Tolleranzedikt von Kalisch von 1265 Juden aus Westeuropa und Hussiten aus Böhmen nach Polen ein. Durch die Union mit Litauen 1386 und 1569 kamen viele weissrussisch- und ukrainischsprachige orthodoxe Christen unter die Herrschaft der polnischen Könige. Das Luthertum fand seit dem 16. Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen Städten viele Anhänger, während der Kalvinismus beim Kleinadel, der Szlachta, beliebt war. Es bildete sich auch eine polnische Sekte der arianischen Polnischen Brüder unter der Leitung von Fausto Sozzini, die in Rakow sogar eine eigene Universität gründete. Der Sejm von 1555 debattierte über die Einführung einer protestantischen Nationalkirche in Polen. Diese wurde zwar nicht eingeführt doch die Warschauer Konföderation und die Heinrichschen Artikel von 1573 sicherten die individuelle Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung, daher kam es in Polen nie zu Religionskriegen. 1596 wurde in der Kirchenunion von Brest die griechisch-katholische Kirche gegründet. Im 17. Jahrhundert vermochte die Gegenreformation jedoch die meisten "Andersgläubigen" auf die katholische Seite zu ziehen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelte der polnische König Jan Sobieski moslemische Tataren in Podlachien an. Eine relativ große moslemische Minderheit lebte auch um Kamieniec Podolski in Podolien, das zwischen 1672 und 1699 zum Osmanischen Reich gehörte. Im 18. Jahrhundert bildeten sich unter den polnischen Juden zwei dominierende Glaubensrichtungen, die aufgeklärte Haskala und die orthodoxen Chassiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Westverschiebung Polens ist Polen fast einheitlich katholisch - über 90 % römisch-katholisch, davon etwa 70 % praktizierend; 0,5 % Polnisch-Orthodoxe; 1,4 % Protestanten, 0,1 % Altkatholiken und religiöse Minderheiten von Zeugen Jehovas, Juden und Moslems (unter anderem die Tataren bei Białystok ). Die heute polnischen Regionen Niederschlesien, Lebus, Westpreußen, Pommern und das südliche Ostpreußen waren vor der Vertreibung der ansässigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich evangelisch-lutherisch. Oberschlesien und Ermland waren demgegenüber bereits vor dem Zweiten Weltkrieg schon mehrheitlich katholisch. Ein besonders hohes Ansehen in Polen besitzt der verstorbene Papst Johannes Paul II., der vor seiner Papstwahl als Karol Wojtyła Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle während des Zusammenbruchs des Ostblocks inne hatte. Siehe auch: Konfessionen in Polen

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Polens

Vorhistorische Zeit und Gründung

Geschichte Polens im Frühmittelalter ]] Während der Eiszeiten lebten bereits Jäger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen polnischen Staates, soweit die Vergletscherung ihnen Lebensraum zurückließ. Zentren dieser frühen Kulturen waren z.B Höhlen und Felsen in den südlichen Bergen. So wurde z.B. der Wawelhügel mitsamt Grotte in Krakau schon vor 20.000 Jahren bewohnt. In der Bronze- und Eisenzeit dominierte die Lausitzer Kultur und Przeworsker Kultur. Als bekanntestes Beispiel gilt die Pfahlbausiedlung in Biskupin, die um 700 v. Chr. gegründet wurde und um 400 v. Chr. von Skythen zerstört wurde. Während der Antike unterhielt die Bevölkerung im Gebiet des heutigen Polen über die Bernsteinstrassen Handelsbeziehungen mit Rom und Griechenland. Die Römer erwähnten bereits um Christi Geburt die Städte Kalisch und Turso. Germanische Stämme, die zeitweilig in Nord- und Westpolen siedelten (Goten, Vandalen und Burgunder) zogen während der Spätantike ins heutige Frankreich, Spanien und Tunesien und vermischten sich mit den dortigen Bevölkerungen. Gleichzeitig kamen während der Völkerwanderung andere Völker, darunter die Hunnen, Slawen und Awaren in das heutige Polen. Dauerhaft siedelten seit dem 5. Jahrhundert die Westslawen. Vor der Staatsgründung veranstalteten die Wikinger, Ungarn und Mährer Raubzüge nach Polen. Mit dieser Zeit verbindet man auch die Sagen um die ersten Urfürsten Polens Popiel, Piast, Lech und Siemowit. Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist als Herzogtum im frühen 10. Jahrhundert von Posen und Gnesen aus gegründet worden. Es wurde von 960 bis 992 vom Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten regiert, der nach und nach die anderen westslawischen Stämme zwischen Oder und Bug unterwarf. 966 ließ sich Mieszko I nach römisch-katholischem Ritus taufen. Das Territorium erreichte durch Eroberungen unter Mieszko I. und seinem Sohn Boleslaw dem Tapferen Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Um 997 schloss Polen ein enges politisch-militärisches Bündnis mit dem Heiligen Römischen Reich, während des Staatsakts zu Gnesen im Jahr 1000 wurde die Übereinkunft vom polnischen Herrscher Boleslaw I. und Kaiser Otto III. bestätigt. Mit der Krönung Boleslaws im Jahr 1025 wurde Polen in den Stand eines Königreiches erhoben.

Mittelalter und Neuzeit

Königreich - 1795 ]] Während der Regentschaft des Piasten Kasimir I., wurde die Hauptstadt 1040 von Gnesen nach Krakau verlegt. Nach dem Tod von Boleslaw Schiefmund 1138 wurde die Senioratsverfassung eingeführt, nach welcher die Söhne Boleslaw III. als Juniorherzöge unter dem Seniorat des jeweils Ältesten der Dynastie unter ihnen die einzelnen Landesteile regierten. Bis 1295 dauerte die feudale Zersplitterung, der sogenannte Partikularismus, in Polen an, der zu einer starken politischen Schwächung Polens im 13. Jahrhundert führte. Polen zerfiel in mehrere de facto unabhängige Herzogtümer, Kleinpolen, Großpolen, Pommern, Sandomir, Schlesien, Masowien und Leczyca. Hinzu kamen in den folgenden Jahrhunderten Eroberungen verschiedener Staaten (Kgr. Böhmen, Mgf. Brandenburg, Kreuzritter vom Deutscher Orden). Auch der Mongolensturm des Jahres 1241, und die nachfolgenden großen Plünderungszüge der Tartaren ließen die Bevölkerungszahl in den polnischen Teilfürstentümern schrumfen. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Polen unter der Regentschaft von Wladyslaw Ellenlang wiedervereinigt. Sein Sohn, Kasimir der Große, setzte den väterlichen Kampf um die Einheit fort und leitete erfolgreich soziale und wirtschaftliche Reformen ein, die Polen zu einer machtvollen Position in Mitteleuropa verhalfen. 1386 heiratete der litauische Großfürst Jagiello die polnische Königin Jadwiga von Anjou. Er, Wladyslaw II. Jagiello, nunmehr zugleich litauischer Großfürst und polnischer König, schuf den mächtigen Doppelstaat Polen-Litauen, der für die nächsten 300 Jahre die Geschicke Mittel- und Osteuropas entscheidend beeinflußte. Im 15. Jahrhundert, nach der politischen Ausschaltung des Deutschen Ordens, stieg das aus Polen und Litauen hervorgegangene Großreich zu einer der führenden Kontinentalmächte und war lange Zeit der größte Staat Europas mit Einflußsphären vom Baltischen- zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus. Auf Betreiben des letzten polnischen Königs aus der Jagiellonen-Dynastie, Sigismund August, wurde die Personalunion zwischen Polen und Litauen in Lublin im Jahr 1569 in eine Realunion umgewandelt. Polen und Litauen bildeten seit 1569 die sogenannte Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System.

Teilung, Unterdrückung und Kampf um die Unabhängigkeit

Geschichte Polens, 1793, 1795 ]] Durch zahlreiche Kriege mit Schweden, dem Osmanischen Reich, Russland, Brandenburg-Preußen, Siebenbürgen, fehlende politische Reformen, sowie innere Unruhen in der Adelsrepublik, die sich durch Bildung von Magnaten Konföderationen gegen die Interessen des Staates und des Königs, Kosakenaufstände und dauerhafte Konfrontation mit den Krim-Tataren in den südöstlichen Wojewodschaften kennzeichneten, stürzten Polen im 17. und 18. Jahrhundert in dauerhafte Krise. In den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde Polens innere Schwäche von seinen Nachbarn Preußen, Österreich und Russland ausgenutzt, welche Polen überfielen und am Ende rechtswidrig unter sich aufteilten. Polen wurde damit seiner Freiheit beraubt und in drei unterschiedliche Staaten zerrissen. Auf Drängen des französischen Kaisers Napoleon entstand im Rahmen des Friedens von Tilsit 1807 aus den preußischen Besatzungszonen der Zweiten- und Dritten Teilung (1809 kam das mit der Dritten Teilung seit 1795 österreichisch besetzte Westgalizien hinzu), ein relativ kleines Herzogtum Warschau, als Vasallenstaat des revolutionären Frankreichs. Durch die Niederlage der polnisch-französischen Allianz in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, wurde das Herzogtum auf dem durch die Teilungsmächte dominierten Wiener Kongress größenteils 1815 dem zaristischen Russland zugesprochen, welches als Kongress-Polen in Personalunion mit Russland bis 1831 weitgehende Autonomie genoß. Im fehlgeschlagenen Novemberaufstand von 1830 versuchten die Polen die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzuschütteln. Mit der Niederlage der Polen wurde die polnische Bevölkerung seit 1831 in den preußischen und russischen Besatzungszonen einer verstärkten Germanisierung - zufolge den preußischen Volkszählungen ohne größere Auswirkungen auf die Bevölkerungsverhältnisse - und Russifizierung unterzogen, die nach dem zweiten gescheiterten großen polnischen Aufstand, dem Januaraufstand von 1863, besonders forciert wurde. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit in "Weichselland" unbenannt. Ähnlich verfuhren auch die Hohenzollern mit ihrer Clique in Pommerellen und Großpolen (Provinz Posen), obgleich in preußischen Schulbüchern und Volkszählungen die Bezeichnung "Polen" weiterhin gebräuchlich blieb. Nur im von Österreich besetzten polnischen Galizien konnten die Polen mit den Liberalisierungsbestrebungen des Hauses Habsburg in der Donaumonarchie seit 1867 der geistig-nationalen Knechtschaft in den von Preußen und Russland dominierten Teilen Polens entkommen, das von da ab das Fundament der Wiedergeburt Polens nach dem Ersten Weltkrieg bildete.

Unabhängigkeit und die Zweite Republik 1918 - 1939

Ersten Weltkrieg am 18. März 1921, administrative Aufteilung in Wojewodschaften ]] Aufgrund der Niederlage der Teilungsmächte nach dem Ersten Weltkrieg, erlangte Polen 1918 seine Souveränität zurück. Im Versailler Friedensvertrag wurden die Unabhängigkeit Polens 1919 auch im internationalen Rahmen bestätigt, während die Teilungsverträge der Jahre 1772, 1793 und 1795 für illegal erklärt und anschließend annulliert wurden. Aufgrund der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow-Monarchien, kam es zu Grenzkonflikten bei der Neuordnung Mittel- und Osteuropas. 1919 begannen kämpferische Auseinandersetzungen zwischen polnischen, ukrainischen und bolschewistisch-russischen Kräften. Im August 1920 eroberten die Bolschewiken während des Polnisch-Sowjetischen Krieges Ostpolen, darunter auch weite Teile Galiziens. Nach dem Sieg Marschall Piłsudskis gegen die Bolschewiken an der Weichsel, wurde im Friedensvertrag von Riga am 18. März 1921 Polens Ostgrenze im Vergleich zur Curzon-Linie um etwa 250 km nach Osten verschoben. Die Curzon-Linie markierte die östliche Grenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, während die östlichen Gebiete eine gemischte Bevölkerungsstrukur aus Polen, Ukrainern, Weißrussen, Litauern, Juden, Tataren, Deutschen u.a. aufwiesen, wobei Polen in vielen Städten und die anderen Bevölkerungsgruppen, meist Weißrussen bzw. Ukrainer, auf dem Land dominierten. Während die Bevölkerungsmehrheit der Städte meist katholisch bzw. jüdisch war, war die Landbevölkerung überwiegend russisch- bzw. ukrainisch-orthodox. Gleichwohl verfehlte Piłsudski sein Ziel, die Ukraine als unabhängigen „Pufferstaat“ zwischen Polen und Russland zu etablieren, was eines der zentralen Ziele der polnischen Politik war. In Riga erkannte Polen die Ukraine als Teil der Sowjetunion unter Mykoła Skrypnyk an. Im annektierten Gebiet östlich des Westlichen Bugs, bildeten die Polen 1919 25% der Bevölkerung, 1939, nach der Amtszeit Piłsudskis waren es bereits etwa 38%. Polnische Sprachinseln im je nach Region mehrheitlich ukrainisch, weißrussischen oder litauischen Umland waren die Regionen Vilnius und Lemberg. Kurz bevor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland überfallen wurde, stellte es im Zuge des Münchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das Olsagebiet, welches 1919 von der Tschechoslowakei besetzt wurde und mehrheitlich von Polen bewohnt wurde. Im September 1939 wurde Polen gemeinsam vom Dritten Deutschen Reich, dem deutschen Vasallenstaat Slowakei unter Jozef Tiso und der Sowjetunion überfallen. Zuerst besetzten Truppen des Deutschen Reichs und der Slowakei das Land und am 17. September, unter dem Vorwand des „Schutzes“ der weißrussisch-ukrainischen Bevölkerung, die Truppen der Sowjetunion. Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem sechs Millionen polnische Staatsbürger, darunter fast die Hälfte jüdischen Glaubens, ihr Leben verlieren sollten.

Zweiter Weltkrieg 1939 - 1945

Zweite Weltkrieg] Mit dem Überfall Deutschlands am 1. September und der Sowjetunion am 17. September 1939 auf Polen, begann der Zweite Weltkrieg. Noch vor dem Zusammenbruch der polnischen Front, floh die polnische Regierung über das neutrale Rumänien nach Paris, später nach London und organisierte von dort aus die Streitkräfte und den Widerstand neu. Der Krieg gegen Polen sollte nach dem Willen der NS-Führung Züge eines rassistischen Verdrängungs- und Vernichtungsfeldzugs annehmen. Anders als im Westen machte Hitler schon vorher klar, dass er die "Liquidierung des führenden Polentums" (Reinhard Heydrich) ins Auge fasste. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10.000 Personen erschossen. Dabei ist noch einmal zu betonen, dass es sich hier nicht um einzelne Exzesse handelte, die aus dem Klima des Hasses und den Zufälligkeiten des Krieges heraus entstanden, sondern um durchorganisierten Massenmord. Bereits Anfang der 1940er Jahre errichteten die Nationalsozialisten mehrere Konzentrationslager auf dem Gebiet Polens, u.a. Auschwitz, Majdanek, Treblinka. Die Besatzungszeit hatte für große Teile der polnischen Zivilbevölkerung katastrophale Folgen. Großpolen, Westpreußen, Danzig und Oberschlesien wurden direkt von Deutschland annektiert. Kleinpolen, Masowien und Galizien mit etwa 10 Millionen Menschen wurden als so genanntes "Generalgouvernement" dem Reichsminister Hans Frank unterstellt, der vom Königssitz der polnischen Könige, dem Wawel in Krakau, die Vernichtungspolitik leitete. Zu den übergreifenden Zielen der Besatzungspolitik im gesamten Gebiet gehörte 1.) die Ausschaltung und Vernichtung der polnischen Juden und polnischen Intelligenz, 2.) die Vorverlegung der deutschen Ostgrenze und die Erweiterung des "Lebensraums im Osten" und 3.) die Stärkung der deutschen Kriegswirtschaft durch rücksichtslose Ausbeutung des Arbeitskräftepotenzials der Zwangsarbeiter und der materiellen Ressourcen Polens. Auch die Polen, die unter sowjetische Herrschaft geraten waren, waren von Gewaltmaßnahmen betroffen. Man schätzt, daß ungefähr 1,5 Millionen ehemalige polnische Bürger deportiert wurden. 300.000 polnische Soldaten gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, nur 82.000 von ihnen überlebten. Ein Großteil der Offiziere - ca. 40.000 Personen - wurde durch sowjetische Truppen 1940 bei Katyn und in den Lagern von Starobielsk, Kozielsk und Ostaszków ermordet. Polnische Soldaten kämpften auf den Seiten der Alliierten an allen Fronten des Weltkiegs von der Luftschlacht um England, in Afrika, der Sowjetunion, bis zu den Invasionen in der Normandie und Italien. Die polnischen Soldaten stellten damit noch vor den Franzosen die viertgrößte Armee der Alliierten. Polnische Partisanengruppen, die die grösste Widerstandbewegung im besetzten Europa darstellten, leisteten auch in Polen selbst Widerstand. Nachdem die Rote Armee im Januar 1944 die polnische Grenze von 1939 überschritten hatte, wurden die Truppen der Heimatarmee vom NKWD entwaffnet, ihre Offiziere erschossen oder in den Gulag geschickt. Der Kampf einzelner Untergrundeinheiten gegen die sowjetische Besatzungsmacht dauerte jedoch bis Ende 1949 an. Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand. Die Sowjetunion, deren Truppen bereits am Ostufer der Weichsel standen, ließ die Einheiten der Heimatarmee ausbluten und machte eine Hilfe der Westalliierten unmöglich. So konnten deutsche Truppen die größte europäische Erhebung gegen die Okkupanten brutal niederschlagen. Die Zahl der Toten wird auf 180.000 bis 250.000 geschätzt. Dabei wurde die Innenstadt Warschaus unter großem Einsatz an Sprengmaterial akribisch Haus für Haus dem Erdboden gleichgemacht.

Volksrepublik, Sozialismus und die Gewerkschaftsbewegung Solidarność 1945 - 1989

Weichsel in Polen]] Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden die Grenzen des ehemaligen polnischen Staatsgebietes gemäß dem Potsdamer Abkommen nach Westen verschoben: Polen verlor das gemischt, mehrheitlich von Ukrainern und Weißrussen bevölkerte Drittel seines bisherigen Staatsgebietes an die Sowjetunion und die dort ansässige polnische Bevölkerung, ca. 2 - 2,5 Millionen Menschen, wurde vertrieben. Aus dem heutigen Ostpolen wurden etwa 1 Millionen Ukrainer in die Sowjetunion vertrieben. Bereits in den Jahren 1943 - 1944 wurden Zehntausende Polen in den Massakern in Wolhynien ermordet und viele mussten flüchten. Im Westen und Norden wurden Polen die zuvor deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie als "Wiedergewonnene Gebiete", die ein Drittel des deutschen Reichgebiets darstellten, zugesprochen. Etwa 5 Millionen waren gegen Kriegsende von dort geflohen und wurden durch Einreiseverbot an einer Rückkehr gehindert (Schließung der Oder-Neiße-Übergänge für Rückkehrende am 30. Juni 1945). Aus den Ostgebieten wurden nach dem Krieg weitere 5 Millionen Menschen vertrieben. Die Gebiete wurden später überwiegend mit Bürgern aus Zentralpolen 3 Millionen, darunter etwa 0,5 Millionen zwangsumgesiedelte Ukrainer, und mit Vertriebenen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten (etwa 2 Millionen) besiedelt. Einige Oberschlesier, Masuren und Deutsche blieben als Minderheit zurück. Die neuen Grenzen wurden mit dem Potsdamer Abkommen vom August 1945 geregelt. Im Widerspruch zu den Regelungen in diesem Abkommen, die bis zum Abschluss eines Friedensvertrages die Grenzziehung westlich von Swinemünde und dann entlang von Oder und Neiße festschrieben, besetzte Polen mit Unterstützung Stalins auch die westlich der Oder gelegene Stadt Stettin und westlich angrenzende Gebiete, um sich diesen wichtigen Ostseehafen zu sichern. Mit dem Görlitzer Abkommen zwischen der neu entstandenen DDR und Polen vom 6. Juli 1950 wurde diese Grenzziehung dann auch vertraglich zumindest von der DDR akzeptiert. Auf die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkrieges folgte nun die kommunistische Diktatur. Das Land kam in den Einflussbereich der Sowjetunion und wurde als Volksrepublik dessen Satellitenstaat. Durch mehrere Aufstände äußerte die polnische Bevölkerung immer wieder ihren Unmut gegenüber der kommunistischen Führung (z. B. im Posener Aufstand). Die Gründung der Gewerkschaft Solidarność führte schließlich zu einem gesellschaftlich-politischen Umschwung im Land und zu den revolutionären Ereignissen von 1980 bis 1989, an deren Ende mit der Auflösung des sogenannten Ostblocks und der Sowjetunion das kommunistische Regime durch eine demokratische Regierungsform ersetzt wurde.

Das freie Polen und die Dritte Republik seit 1989

Ostblock Seit 1989 wurde die polnische Wirtschaft nach dem Balcerowicz-Plan mit schnellen Schritten in eine funktionierende Marktwirtschaft umgewandelt. Nach nur einer Amtszeit wurde der ehemalige Solidarność-Vorsitzende Lech Wałęsa von dem postkommunistischen Aleksander Kwaśniewski als Präsident abgelöst, dessen doppelte Amtszeit am 23. Dezember 2005 zu Ende geht. Unter ihm trat Polen am 12. März 1999 der Nato bei. Unter Leszek Miller entwickelte sich Polen während des Dritten Golfkrieges und in der Nachkriegszeit neben Großbritannien, Italien und Spanien zum wichtigsten Verbündeten der USA in Europa. Aufgrund der unterschiedlichen Haltungen der polnischen sowie der deutschen Regierung während des Irak-Konflikts kam es zu schweren Misstönen zwischen den beiden Staaten. Zu weiteren Verstimmungen führten Äußerungen der Verbände Heimatvertriebener, die ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin errichten bzw. Eigen

Ukraine

Die Ukraine [] (ukrainisch Україна/Ukrajina) ist ein Staat in Osteuropa und grenzt an Rumänien, Moldawien, Ungarn, die Slowakei, Polen, Weißrussland und Russland. Sie hat eine Küste am Schwarzen Meer, von dem die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim das Asowsche Meer abteilt. Die Ukraine ist nach Russland das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas.

Geografie

Der größte Teil der Ukraine (ca. 95 %) liegt auf dem Gebiet der Osteuropäischen Ebene. Deshalb wird sie fast ausschließlich zu Osteuropa gezählt, obwohl nach mehreren Berechnungen der Schwerpunkt Europas in ihrem westlichen Staatsgebiet liegt. Andere Landschaftsräume außerhalb der großen Ebene finden sich lediglich in der südlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Karpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im äußersten Süden, wo sich das Krimgebirge befindet. Der höchste Berg des Landes ist der Howerla in den Ostkarpaten, welcher eine Höhe von 2.061 Metern erreicht. Die höchste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1.545 Metern. Auf dem zur Osteuropäischen Ebene gehörenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und Süden des Landes große Tiefländer (ukrainisch Низовина) wie etwa das Dnjeprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gelände erreicht dort Höhen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund des niedrigen Reliefs fließen die Flüsse dieses Gebiets sehr langsam. Hierzu gehören etwa der Dnepr (ukrainisch Dnipro), die Desna, und der Siwerskij Donez. Viele kleinere Flüsse sind von versumpften Ufern mit Schilfbestand geprägt. Im Bereich der Tiefländer gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdölvorkommen, welche aber für eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschließung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt. Aufgrund der vermuteten Rohstoffvorkommen bestehen momentan Grenzstreitigkeiten mit dem südwestlichen Nachbarland Rumänien um die Schlangeninsel. Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten höherliegende Gebiete mit Geländehöhen zwischen 200 und knapp über 500 m, welche Platten (ukrainisch Височина) genannt werden. Zu diesen gehören etwa die Podilische oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen überwiegend aus Gestein aus dem